Fiat Iustitia

Giacomo Carissimi (1605–1674) gehörte als Komponist und Pädagoge zu den zentralen Gestalten des katholischen Musiklebens seiner Zeit. Das Programm „Fiat Iustitia“ stellt Carissimis Motette Beatus vir und sein Oratorium Jephte der ihm zugeschriebenen zwölfstimmigen Missa »L’homme armé« gegenüber. Die drei verschiedenen kirchenmusikalischen Gattungen beleuchten dabei ihren jeweiligen Blickwinkel auf das Thema der Loyalität. Verbindendes Element ist die Figur des gottesfürchtigen Mannes, im ersten Stück gepriesen für seine Standhaftigkeit, im zweiten betrauert für das Opfern seiner eigenen Tochter nach unbedachtem Schwur. Steht das Oratorium bei Carissimi am Beginn seiner Entwicklung als geistliches Pendent zur Oper, bildet die Missa »L’homme armé« den Abschluss einer Traditionslinie von Messvertonungen über das seinerzeit bekannte Renaissancelied des zu den Waffen gerufenen Kreuzfahrers.