Friedensrufe

„Friedensrufe“ folgt den Spuren, die das 17. Jahrhundert in der Musik späterer Epochen
hinterlassen hat. Die Faszination der Romantik für die Vergangenheit und die außerordentliche Qualität barocker Lyrik haben zu inhalts- und ausdrucksstarken Kompositionen geführt.

Unser Programm »Friedensrufe: Von der Vergänglichkeit des Irdischen« schlägt durch textliche und inhaltliche Bezüge einen Bogen zurück von den verheerenden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts zum Dreißigjährigen Krieg, der prägendsten Katastrophe des 17. Jahrhunderts in Europa.

Im Zentrum des ersten Teils steht das 1944 im KZ Theresienstadt von Victor Ullmann komponierte Melodram Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke. Die Handlung des Textes spielt im
Ungarnkrieg 1663 und dieser war in beiden Weltkriegen weit verbreitete Soldatenlektüre. Zwischen einzelne Sätze treten romantische Chorlieder von Robert Schumann und Johannes Brahms: u.a. Schnitter Tod, Altdeutsches Kampflied und In stiller Nacht.

Im zweiten Teil erklingt Ernst Kreneks 1932 geschriebene Kantate von der Vergänglichkeit des Irdischen für Sopran-Solo, Chor und Klavier. Gemeinsam mit Max Regers Requiem »Seele, vergiss sie nicht« für Alt- Solo, Chor und Klavier zeigt sie die beiden wichtigen Eckpunkte von Mahnen und Gedenken im Jahr 2018: dem Beginn des  Dreißigjährigen Krieges 1618 und das Ende des Ersten Weltkriegs 1918. Während Krenek ausschließlich barocke Lyrik verwendet und so im Gewand der Moderne neue Bedeutungseben erschließt, offenbart sich in Regers Hebbel-Text eine ungeahnte Kraft und eine neuzeitliche Vision des Lebens nach dem Tode: Erst Vergessen reißt die Toten hinfort. Reger selbst widmete sein Werk 1915 den Gefallenen des Weltkriegs.